Einer für alle, alle für einen: Der unsterbliche Mythos und die besten Verfilmungen

Es gibt Sätze in der Literaturgeschichte, die sich so tief in unser kollektives Gedächtnis gebrannt haben, dass man sie nicht einmal erklären muss. „Einer für alle, alle für einen!“ ist genau so ein Zitat. Wenn diese Worte fallen, haben wir sofort Bilder im Kopf: klirrende Degen, prunkvolle Gewänder, wilde Verfolgungsjagden zu Pferde und eine unerschütterliche Freundschaft.

Doch woher kommt diese zeitlose Faszination? Werfen wir einen Blick auf die Ursprünge dieses Meisterwerks, seine Fortsetzungen und die Verfilmungen, die uns über die Jahrzehnte hinweg an die Bildschirme und Leinwände gefesselt haben.


Der Vater des Mantel-und-Degen-Epos

Die Geschichte der Musketiere verdanken wir dem französischen Schriftsteller Alexandre Dumas (und seinem oft vergessenen Co-Autor Auguste Maquet). Als „Die drei Musketiere“ (*Les Trois Mousquetaires*) im Jahr 1844 erschien, war es kein fertiges Buch, das man in der Buchhandlung kaufte. Es erschien als Fortsetzungsroman in der Zeitung "Le Siècle".

Dumas war ein Meister des Cliffhangers. Er wusste genau, an welcher spannenden Stelle er ein Kapitel beenden musste, damit die Pariser am nächsten Tag ungeduldig die neueste Ausgabe der Zeitung kauften.

Die literarische Bedeutung: Das Werk prägte das Genre des historischen Abenteuerromans (Mantel-und-Degen-Geschichten) besonders. Dumas nahm reale historische Figuren wie König Ludwig XIII. oder den machthungrigen Kardinal Richelieu und webte die fiktiven Abenteuer von d’Artagnan, Athos, Porthos und Aramis hinein. Bis heute gilt das Buch als Paradebeispiel für Literatur, die Kameradschaft, Loyalität und den unbeschwerten Drang nach Gerechtigkeit feiert.

Online gibt es einen Bericht zum Todestag des Autors mit eine kurze aber treffende Analyse zu Autor und Werk: https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-alexandere-dumas-100.html 


Die Trilogie: Die Nachfolgeromane

Was viele nur durch diverse Verfilmungen wissen: Die Geschichte endet nicht nach dem ersten großen Abenteuer. Dumas schrieb zwei offizielle Fortsetzungen, die das Leben der vier Freunde über Jahrzehnte hinweg begleiten:

Zwanzig Jahre danach (1845): Die Freunde sind älter geworden, stehen in den politischen Wirren der Fronde-Aufstände plötzlich auf unterschiedlichen Seiten und müssen wieder zueinanderfinden.

Der Vicomte de Bragelonne oder Zehn Jahre später (1847–1850): Ein gewaltiges, melancholisches Spätwerk. Der berühmteste Teil dieses Buches wurde später oft als eigenständige Geschichte adaptiert: "Der Mann in der eisernen Maske".


Leinwand-Nostalgie: Abenteurfilm und Popcornkino

Kaum ein Stoff wurde so oft verfilmt wie dieser. Zwei Versionen ragen aus popkultureller Sicht besonders heraus – nicht zuletzt, weil sie den Zeitgeist ihrer jeweiligen Entstehungsjahre perfekt einfangen.


Die 70er Jahre: der Lester-Geniestreich

In den Jahren 1973 und 1974 brachte Regisseur Richard Lester die Geschichte als

Zweiteiler ins Kino ("Die drei Musketiere" und "Die vier Musketiere"). Diese Version gilt für viele Kritiker bis heute als die werkgetreueste – und gleichzeitig witzigste – Adaption.

Die Besetzung war brillant: Michael York als naiver d'Artagnan, Oliver Reed als grimmiger Athos und Richard Chamberlain als eitler, charmanter Aramis. Die Filme mischen rauen, fast schon slapstickartigen Humor mit grandios choreografierten, schmutzigen Schwertkämpfen, bei denen auch mal ein Suppentopf oder eine Leiter als Waffe herhalten muss.

Fun Fact: Die Schauspieler dachten, sie würden einen langen Film drehen. Dass die Produzenten das Material im Schneideraum in zwei Filme aufteilten (um doppelt an den Kinokassen zu kassieren), führte zur berühmten „Salkind-Klausel“ in Hollywood, die Schauspieler seitdem vor solchen Tricks schützt.


Die 90er Jahre: Popcorn-Action 

Wer in den 90ern aufwuchs, für den gibt es nur eine Version: Die Blockbuster-Variante von Disney aus dem Jahr 1993. Hier durfte Charlie Sheen in die Rolle des Aramis schlüpfen, flankiert von Kiefer Sutherland (Athos), Oliver Platt (Porthos) und Chris O’Donnell (d'Artagnan). Tim Curry lieferte als fieser Kardinal Richelieu eine geniale One-Man-Show ab.

Dieser Film war pures Popcorn-Kino, rasant, glattpoliert und untermalt von Bryan Adams, Rod Stewart und Sting, die mit „All for Love“ den absoluten Mega-Hit des Jahres lieferten. Für lokales Flair sorgte die Produktion ebenfalls: Es ist immer wieder ein Vergnügen, im Film österreichische Kulissen wie die Ruine Landsee, Schloss Petronell, Korneuburg, die Wiener Hofburg oder die dunklen Gänge der Seegrotte Hinterbrühl als Stand-ins für die verschiedensten Landschaften das Frankreich des 17. Jahrhunderts zu entdecken. Übrigens lohnt sich ein Besuch dieser Orte und Sehenswürdigkeiten auch ohne Bezug zum Film!


Neben diesen beiden Kult-Klassikern hat der Stoff noch viele weitere besondere Filmwerke hervorgebracht wie z.B.:

Das artistische Meisterwerk (1948): Die Version mit Gene Kelly als d'Artagnan ist eine farbgewaltige Hollywood-Produktion, in der die Schwertkämpfe fast wie Tanzchoreografien wirken. Ein echter Filmklassiker.

Das düstere Epos (2023): Die hochgelobte französische Neuverfilmung in zwei Teilen ("D'Artagnan" und "Milady") mit Vincent Cassel und Eva Green zeigt die Geschichte von ihrer dreckigen, realistischen und spannungsgeladenen Seite. Ein Fest für Fans des historischen Kinos.


Das Abenteuer aus dem Kassettenrekorder

Bevor wir die Filme auf VHS hatten, lief das Kopfkino. Die drei Musketiere waren in den 70er und 80er Jahren ein absoluter Dauerbrenner im Hörspiel-Regal. Wer erinnert sich nicht an das ikonische Logo des EUROPA-Labels? Später kamen aufwendigere Produktionen dazu, wie das gefeierte, mehrstündige Hörspiel des WDR (1993), das mit orchestraler Wucht und fantastischen Sprechern die ganze epische Breite des Romans einfing.


Ob auf bedrucktem Papier, knisterndem Magnetband oder der großen Leinwand: Die Geschichte der drei Musketiere altert nicht. Sie erinnert uns daran, dass Mut, ein bisschen Übermut und gute Freunde alles sind, was man im Leben braucht.